Rund um Australien


28. April bis 26. Juni 2005

Wir klopfen an den Cellar Door

...mindestens fuenfzehn Mal in fuenf Tagen und niemand der ganzen Profitruppe war je besaeuselt, ehrlich! Einen schoeneren Start in unseren "Un-Ruhestand"
haetten wir uns nicht wuenschen koennen. Zum vierten Mal mit unseren Weinfreunden aus Brisbane unterwegs, nach dem Clare Valley, North Victoria und Connawarra waren diesmal Swan- und Margaret River in Western Australia an der Reihe.

Die Gegend oestlich und suedlich von Perth produziert hervorragende Tropfen, und viele Wineries fuehren auch sehr gute Restaurants mit originellen Rezepten.
Eine der besten ist Chateau Xanadu, dessen Chief Winemaker Juerg Muggli heisst, der fuer uns als alter Bekannter vom 1. August-Empfang 2002 auch die mit Abstand beste Fuehrung der ganzen Woche machte. Dass man dem Wein offiziell das Weisse vom Ei beigibt, wusste vorher wohl niemand. "Cellar Door" ist natuerlich nicht die Kellertuer, wie ich seinerzeit vermutete, sondern das Degustationslokal. In Anbetracht unseres bereits vorher verpackten Hausrates hielten wir uns beim Bestellen, nicht aber beim Degustieren zurueck. Ruth und Bill sorgen aber dafuer, dass auch die Kultur, die Geschichte und die Tradition dieses Landes nicht zu kurz kommen. Der Besuch einer Farm mit Schafscheren war aeusserst interessant und der Zufall wollte es, dass ich zum Halten des Tieres beim Scheren, zusammen mit fuenf Damen zum Fuettern der sechs Laemmer mit einem Schoppen und zu guter Letzt zum Zusammenfoerben der Wollreste ausgewaehlt, lies verurteilt wurde. (Foto 1) Great Fun.

Pinnacles, Stromatolites und Dugongs

So gut der Weintrip verlief, nach einer Woche waren wir gluecklich, wieder wie ueblich auf eigene Faust zu reisen und die Westkueste des Kontinents zu erforschen. Das Staedtchen Cervantes mit den fast ausschliesslich nach spanischen Staedten benannten Strassen hat mit Iberien ausser einem in der Naehe gesunkenen Schiff namens Cervantes nichts zu tun, liegt aber ideal, um den morgendlichen und abendlichen Besuch eines sehr interessanten UNESCO-Heritages zu ermoeglichen. Abertausende von bis zu sieben Metern hohen spitzigen Steinsaeulen sind ein hervorragendes Fotosujet (F 2). 200 km noerdlicher bewunderteten wir die Stromatolites in Hamelin Pool. Diese Mikroben sind praktisch identisch mit den Organismen, die vor 1900 Millionen Jahren {!} durch ihre Sauerstoffabgabe (das Wasser ist voll Bloetterli) zur Entwicklung unseres Planeten einen wichtigen Beitrag leisteten. Damit sich die taegliche Besucherschar nicht negativ auswirkt, kann das Schauspiel von einem hoelzernen Laufsteg aus bestaunt werden, mit Humor bestueckte Tafeln erklaeren die ueberaus interessanten Vorgaenge. In Monkey Mia, das mit Affen ueberhaupt nichts, aber mit zutraulichen Delphinen viel zu tun hat (F 3), waren wir vom Glueck beguenstigt: Auf unserem Ausflug aufs Meer tauchte einer der immer rarer werdenden Dugongs (Seekuh) bereits einige Minuten nach der Abfahrt auf. Nach mehreren originellen B&B Haeusern mit sympathischen Ladies flogen wir von Perth nach Broome. Die in Anbetracht der gegenwaertig zahlreichen Schmuggelstories war die Kontrolle am Flughafen Perth mehr als streng. Vor allem ein Objekt wollten die netten aber strengen Sicherheitsleute genauer ansehen, ein in Aethiopien gekaufter Fliegenwedel aus Rosshaar, der an einem gezopften Draht befestigt ist.

Staircase to the Moon

Dass die Hafenstadt Broome zu einem beeindruckenden Hoehepunkt unserer "Tour of Australia" wuerde, haetten wir nie geglaubt. Dank dem von guten Freunden ausgeliehenen Buch "Port of Pearls" konnten wir uns aber auf diesen Ort gut vorbereiten, der fuer so viele zum Schicksal wurde. Anfangs des 20. Jahrhunderts starben jedes Jahr in der relativ kurzen Saison oft ueber 30 junge japanische Perlmutter-Taucher, sie riskierten zu viel und kamen meist viel zu schnell an die Oberflaeche. Im zweiten Weltkrieg wurde neben Darwin auch Broome von japanischen Flugzeugen bombardiert, dabei kamen auch viele aus Indonesien evakuierte Hollaenderfamilien ums Leben. Die nebeneinander liegenden japanischen, chinesischen, christlichen, muslimischen und Aboriginal-Friedhoefe lassen keinen Besucher unberuehrt. Broome war und bleibt eine Schicksalsstadt. Ein erst vier Wochen altes Doppelgrab unter einem riesigen Blumenmeer nahe einem wohl heiligen Baum traegt die Namen von zwei Kindern im Alter von einem und vier Jahren, Nachkommen des ersten erfolgreichen Aboriginals und Schiffsbesitzers.
Er war der erste, der anlaesslich eines Besuchs von Koenigin Elizabeth II auf seine Bitte hin von ihr das Recht erhielt, in einem Pub ein Glas Bier zu trinken. Heute sind Staedte wie Broome, Alice Springs und Darwin immer mehr mit betrunkenen und in den Gruenflaechen der Stadt vegetierenden Ureinwohnern konfrontiert, und typisch fuer die Geschichte von Broome, die erwaehnten beiden Kinder wurden von ihrem psychisch kranken und wohl schwer alkoholisierten Stiefvater ermordet.

Zum Glueck endete unser Besuch mit einem positiven Highlight: Bei Vollmond und Ebbe bildet sich beim Mondaufgang ein grossartiges Naturschauspiel, eine leuchtende Treppe, die vom Wasser zum Mond aufsteigt. Zweimal konnten wir dieses Phaenomen bestaunen, einmal im Garten des Mangrove-Hotels, einen Tag spaeter an der Town Beach unter einem bunt gemischten Publikum mit intensiven Geruechen eines zu diesem Zweck speziell aufgestellten Souvenir- und kulinarischen Marktes (F 4). Und sogar eine Weltpremiere konnten wir im gemaess "Guinness Book of Records" aeltesten Freilichtkino der Welt verfolgen. Der Film ueber die Voegel in den Kimberleys war allerdings viel zu lang, es entstand ein eigentlicher Exodus, am Ende duerften wohl nur noch die Freunde des Produzenten und deutsche und schweizerische Touristen ausgeharrt haben, die sich vorher am Gratisbuffet intensiv verpflegt hatten und vielleicht auf noch mehr hofften.

"Ten Little Indians"

Als Nicht-4x4-Fahrer blieb uns fuer die Kimberleys keine andere Wahl als eine Gruppenreise. Das Glueck war uns hold, statt wie oft 20 Touristen waren wir anfaenglich nur zehn, am Schluss nur noch acht in der Gruppe, gefuehrt von einem ausgezeichneten Chauffeur/Reisefuehrer. Viel Platz somit im Bus und im Eisschrank. Ich konnte mir am ersten Morgen den Gedanken an Agathe Christie's Krimi nicht verdraengen. Die Zusammensetzung der Reisegesellschaft haette auch aus "Death on the Nile" stammen koennen: Ein angeblich pensionierter, etwas verschrobener Schweizer Generalkonsul mit einer durchaus normalen, oft fotografierenden Gattin, ein australisches Flitterwochenpaar, das wenig miteinander sprach und noch weniger turtelte, aber keine Aufnahme in der reichen Vogelwelt verpasste, ein ziemlich einsilbiger aelterer Finanzberater mit einer lieben Frau, die als ehemalige Kindergaertnerin jeden Nursery Rhyme singen konnte. Bestens gepasst in Agathes Geschichte haette auch der Zufall, dass gleich zwei Damen Suzanne hiessen, und noch unglaublicher gab es zwei Albert. "Albert Ier" aus der Auvergne war allerdings, obwohl 14 Jahre aelter, viel fitter als der zweite. Er verstand im Gegensatz zu seiner Suzanne kein Wort Englisch und hielt sich aus Prinzip nicht an die Anweisungen des Fuehrers. Mich und andere nervte er vor allem mit dem ewigen Ausrufen ueber fehlenden Komfort im Zelt, das sich Vordraengen mit seiner Videokamera und dem Filmen meiner Wenigkeit bei schwierigen Abstiegen.

Mit seiner leicht gebueckten Haltung und ausgebreiteten Armen einem Raubvogel nicht unaehnlich, wagte er sich immer auf extreme Felsvorspruenge und waere mehrfach fast davongeflogen, haette ihm seine liebe Suzanne mit steigener Lautsstaerke und Tonhoehe nicht dauernd zugerufen: "Albert.... Albert....
Albert!! Toent auf Franzoesisch noch dramatischer. Anfaenglich reagierte instinktiv auch ich, spaeter war ich konditionell oft zu angeschlagen...

Es scheint, ich haette die Helikopterabstuerze in New York geahnt und niemand haette mich (als einziger der Gruppe) in ein solch gefaehrliches Objekt zum Ueberfliegen der Bungle Bungle Felsen gebracht. Renate bereute ihre Tapferkeit rasch. Sie zog als Mitpassagiere ausgerechnet Suzanne und Albert Ier, der sich beim Einsteigen vehement gegen die strengen Vorschriften wehrte und dann im ohnehin unruhigen Helikopter laufend filmte, gestikulierte und dem Piloten Instruktionen erteilte. "Nie wieder", meinte meine Gattin, weder mit Albert Ier noch mit seinem furchtsamen Namensvetter. Der Einladung zur Visionierung des vierstuendigen Kimberley-Videos in Frankreich werden wir wohl kaum Folge leisten...

Die zwei "Indians" oder "Negerlein", die uns bei Halbzeit in Richtung einer exklusiveren, viel teureren Tour verliessen, haetten im Krimi wohl zu den ersten Opfern gehoert, Michael als lieber, netter, hilfsbereiter Unschuldiger und seine Suzanne als am Anfang sehr aggresiv dreinschauende, spaeter auftauende aber dauernd von Geld und Golf sprechende Dame mit operativ vergroessertem Busen (Narbe unter dem Oberarm) und schlecht geliftetem Antlitz. Am dritten Abend fanden wir den Beruf von Michael heraus: Plastic Surgeon! Auch diese extrem gut verdienenden Kuenstler schaffen nicht nur Meisterwerke und konzentrieren sich vielleicht bei Gratisjobs zu wenig. Wir haben die beiden uebrigens in Sydney nachher im Konzert getroffenen, Herr und Frau Doktor sassen standesgemaess auf den besten Plaetzen, wir durch einen ausgesprochenen Gluecksfall gleich dahinter.

Die Landschaft war grossartig (F 5), die Unterkunft unterschiedlich und bei in gewissen Zeltlagern konnte man sich auch unter den ersten Sonnenstrahlen taeuschen, wie Renate, die nach dem Duschen den falschen Reissverschluss zog und einen noch tief schlafenden Herrn auf Schweizerdeutsch ansprach, wahrscheinlich den Finanzberater, der aber keine Antwort gab. So schnell hat Renate wohl noch nie einen Reissverschluss wieder geschlossen.

Rock mit Franz

hat nichts mit wildem Tanz zu tun. Der Ayers Rock heisst bekanntlich neuerdings wieder Uluru und auch die Olgas haben ihren urspruenglichen Aboriginal-Namen wieder, Kata Tjuta, fuer einen Buendner leicht zu merken mit "Chascht a tschutta ?" Franz heisst mit seiner Frau zusammen Imhof und ist ein hervorragender Reisefuehrer, der seit ueber 30 Jahren in Alice Springs wohnt und einen individuellen Service fuer Gruppen bis zu sieben Personen bietet. Wir hatten das Glueck, in jener Woche seine einzigen Passagiere zu sein und Renate genoss den Sonnenunter- und -Aufgang am Uluru mit einem Glas Champagner auf einem Stuhl auf dem Autodach sitzend, trotzdem nie das Gleichgewicht verlierend und wie ueblich hervorragende Aufnahmen schiessend (F 6). Die Uebernachtung im Swag unter dem Sternenhimmel und die Morgenwanderung im Kings Canyon waren weitere Hoehepunkte. Die Imhofs sind in Australien sehr beliebt und jedermann gegenueber sehr hilfsbereit.

Dies durfte auch ein junger Mann erleben, der nach einer Benzinpanne bei bruetender Hitze ganze vier Stunden mit einem Kanister zu Fuss unterwegs war, in unserem Wagen aufgenommen und mit Wasser versorgt wurde. Wir hatten beim Autostoppen mehr Glueck. Ausgerechnet ein Gefaengniswaerter hatte in der Naehe der beruehmten Cable Beach bei Broome spontan angehalten, als er zwei schwitzende und muede Schweizer Oldies auf der langen Geraden sah. Sie hatten die Distanz der Wanderung falsch kalkuliert und Stunden und Kilometer verwechselt. Vielleicht hielt er uns fuer ausgebrochene Haeftlinge.

Cassowary, das Regenloch Tully und Mission Beach

Was Prince Rupert fuer die Kanadier, scheint das Dorf Tully fuer die Australier zu sein. Waehrend es in gewissen Gegenden vierjaehrige Kinder gibt, die noch nie Regen gesehen haben, scheint es in Tully jeden Tag zu regnen. Ein Vogel, der die Feuchtigkeit liebt, ist der Cassowary. Noerdlich und suedlich von Cairns, einer Stadt, die sich in den letzten Jahren sehr positiv entwickelt hat, begegnet man immer wieder Warntafeln, die auf diesen interessanten Vogel, eine Art Strauss, aufmerksam machen. Der "Lonely Planet" schreibt zu diesem Thema: "This large flightless blue bird is an endangered species that needs protection, even though it can disembowl you with its toenail {!}". Bei den kanadischen Baeren wird das Schwingen von Gloeckchen, Singen und Pfeifen empfohlen, bei einer Begegnung mit Mr. oder Mrs. Cassowary soll man sich dagegen ruhig verhalten, langsam rueckwaerts gehen, sich hinter einem Baum verstecken und im Fall eines Angriffs einen Rucksack, also ein Objekt ohne Daerme opfern (F 7). Es ist wie beim Baer, jeder will ihn fotografieren, hat aber beim Abdruecken Angst. In Cape Tribulation, wo James Cook grossen "trouble" hatte, lief uns ein solcher Vogel fast ueber die Strasse, der mutigen Renate gelang eine Aufnahme, die verstaendlicherweise etwas verzittert ist.

Drogen aus dem Boxer, Fabeltier Drop Bear, Tinguely-Brunnen, Essigflaschen

Townsville, die Hauptstadt von North Queensland, war eine eigentliche Ueberraschung, und wir bereuen nicht, dort zwei Naechte verbracht zu haben, im Casino Hotel, wo ich immerhin die Auslage fuer eine Nacht plus Dinner am Spieltisch wieder hereinholte. Schlechtere Erfahrungen an diese Stadt haben zwei Matrosen des zweitgroessten amerikanischen Kriegsschiffs "Boxer" und ein Irano-Kanadier, die waehrend unseres Aufenthalts anlaesslich eines Flottenbesuchs und gemeinsamen Manoevers mit den Australiern Drogen im Werte von ueber einer Million Dollar einfuehren wollten. Nach der netten Schlagzeile in der lokalen Zeitung "G'Day Mate" fand das gleiche Blatt am andern Tag nach der Verhaftung der Schmuggler bei den auf Urlaub weilenden amerikanischen Soldatinnen und Soldaten mit "Drug Scandal"einen noch groesseren Absatz. Nachdem die listigen Queenslaender seinerzeit den Amerikanern einen Baeren aufgebunden hatten, es gebe in Townsville ein Tier Drop Bear, das von den Baeumen falle, scheint der Ort in den USA auch Kriminelle anzuziehen, die selbst voll auf die Schnauze gefallen sind.

Townsville hat mit dem "Strand" eine sehr schoene Uferpromenade, an der auch eine Art Plastikausgabe des Basler Tinguely-Brunnens nicht fehlt. Doch die Harmonie kann gestoert werden, nach jedem hundertsten Meter liegt in einem Behaelter eine Flasche Essig, der bei Verletzungen durch die gefaehrlichen Quallen (Stinger) als erste Hilfe-Medizin angewendet werden kann. Das Casino Townsville ist uebrigens bekannt fuer seine Seafood-Buffets am Wochenende. Da gab es viele aeltere Damen und Herren, die ihre Teller bis zu sechsmal voll mit Austern beluden. Wollten sie wohl einen Weltrekord aufstellen oder waren sie ueberzeugt, Austern haetten sogar mehr Wirkung als Viagra?

Whitsunday Islands

Hinchinbrook, Magnet Island und South Molle sind weniger bekannte aber sehenswerte Inseln des Barrier-Reefs. Tausende reisen taeglich nach Port Douglas und Hamilton Island, doch das eigentliche Paradies liegt auf den kleinen Inseln, auf denen taeglich nur einige wenige Wanderer den Weg unter die Fuesse nehmen (F 8). Beeindruckt hat uns auch das 5.6 km lange Jetty im kleinen Hafen mit dem romantischen Namen Lucinda, wo das Hauptprodukt der Region, Zucker, mit riesigen Frachtschiffen exportiert wird, die nur weit im Meer draussen anlegen koennen. Obwohl das klimatische Paradies Queensland je laenger je mehr auf andere Agrarprodukte umsattelt, faehrt man immer noch waehrend Hunderten von Kilometern an Sugar Cane Feldern vorbei. Faehrt stundenlang und riskiert sein Leben, denn noch selten haben wir so undisziplinierte Fahrer gesehen wie die Queenslaender, den vielen Warnungen (Unfallverhuetungsschilder und mit Blumen geschmueckte Kreuze am Strassenrand) zum Trotz. Viel Glueck hatten wir, dass die oft bis zu 50 Meter langen Roadtrains uns fast ausschliesslich entgegenkamen, so blieben uns riskante Ueberholmanoever erspart.

Umwege zu Carlo Sandblow

Fuer einmal haben wir die ueberlaufenen Fraser Island und Noosa umfahren und die dazwischen liegende Rainbow Beach besucht, ein kleines Juwel. Je nach Lichteinfall spiegelt das Wasser auf dem Sand in verschiedenen Farben, daher der Name. Wie die ueber 100 m hohe Sandduene mit einzigartiger Aussicht zu ihrem Namen gekommen ist, haben wir noch nicht herausgefunden. Ein geheimes Denkmal fuer den Landesfuersten und Staenderat Schmid aus Innerrhoden? In diesem schoenen Ort sind wir erst auf Umwegen ueber Gympie, einem Autobahndorf, gelandet, wo man sich bei Regen in der Dunkelheit verliert, was Renate zur Aussage veranlasste, sie fahre keinen Meter weiter. Eines der einzigen Motels, das noch freie Zimmer hatte, offerierte diese zu 58 Dollars und ein Zweigang-Menue fuer ganze 10 Dollar, Lasagne oder Wuerste im ersten, Suppe im zweiten Gang....

Als Renate ganze Scharen von Maenn- und Weiblein in eine Richtung im Motel ziehen sah, glaubte sie, es gebe nur eine WC/Gemeinschaftsdusche. So war sie ploetzlich bereit, sich wieder ans Steuer zu setzen, war dann aber sehr gluecklich festzustellen, dass das sehr guenstige Zimmer neben Dusche/TV/WC sogar einen Foehn enthielt. Je weiter vom Opera House und Bondi Beach entfernt, umso tiefer sind die Preise. Auf das Zweigangmenue haben wir allerdings verzichtet und uns aus dem nahen Supermarkt und Bottle Shop verpflegt.

Im australischen Appenzellerland

Die Glass House Mountains im sogenannten "Sunshine Coast Hinterland" haben zwar mit der Form des Saentis wenig gemeinsam (F 9), die Aussicht von Maleny aus ist aber ebenfalls fantastisch. Gut genaehrte Kuehe grasen an tiefgruenen Huegeln und das Klima wirkt sehr entspannend. Das Feriendorf "Solothurn", dessen Hochzeitskapelle von Wilhelm Tell, St. Urs und St. Viktor bewacht wird, zieht zwar nach dem fruehen Tod von Albert Murer kaum mehr viele Gaeste an, und die Biberli der "Swiss Bakery" haben, nachdem ein anderer Schweizer sein Geschaeft verkauft hat, mit den gleichnamigen Produkten der Ostschweiz nicht mehr allzu viel gemeinsam. Dafuer zieht aber die neue mustergueltige Schaukaeserei von Markus Bucher kaufkraeftige Kunden in Scharen an. Auch King Ludwig, ein typisches deutsches Restaurant, ist eine sehr gute Visitenkarte fuer Europa.


Sieben Stunden im Zoo Dubbo und viel Unbekanntes aus New South Wales

Haetten wir unsere urspruengliche Rueckfahrt-Route auf dem New England Highway nicht geaendert, waeren wir wohl in einen hier doch seltenen Schneesturm geraten, aber schliesslich kehrten wir ja am kuerzesten Tag des Jahres wieder in "unsere Provinz" New South Wales zurueck. Auch von den Ueberschwemmungen an der Ostkueste blieben wir verschont. Zudem entdeckten wir eigentliche Juwelen wie das Kuckucksuhren-Haeusle in der Naehe von Toowoomba mit Hunderten von kostbaren Standuhren, den weltberuehmten weitlaeufigen Zoo von Dubbo und Cowra, die Stadt der Versoehnung zwischen Australien und Japan. Eine Kopie der UNO-Friedensglocke, ein japanischer Garten, ein Friedhof, in dem alle waehrend des 2. Weltkriegs in Australien umgekommenen Japaner ihre letzte Ruhestaette gefunden haben und ein sehr originelles Museum, das die Geschichte des Gefangenenausbruchs von 1942 erzaehlt, sind alle sehenswert. Im Landwirtschaftsgebiet von Cowra wurden kapitulierende Italiener aus dem Nordafrika-Feldzug, den Hollaendern verdaechtige Indonesier und Hunderte von Japanern in Lagern interniert.

Die Italiener hatten bald Familienanschluss und bekochten singend die Bevoelkerung, die Indonesier ertrugen das kalte Klima schlecht und wurden nach Mackay in Queensland verfrachtet, waehrend die Japaner, alle tief beschaemt, Kriegsgefangene zu sein, einen gewaltsamen Ausbruch unternahmen, der Hunderte von Toten forderte.

Einige, die nicht erschossen wurden oder vom Stacheldraht herunterfielen, brachten sich auf der Flucht selbst um. Aber wie sagte doch schon Schiller in seinem Tell: "Lieber den Tod als in der Knechtschaft leben." Was nicht auf die Italiener zutraf, von denen viele nach dem Krieg gar nicht mehr nach Europa zurueckkehren wollten.

Zurueck in Sydney

Nach beinahe 15'000 km per Bus, Gelaende- und Mietwagen auf Strassen und Pisten im Westen, Zentrum und Osten des Landes und den Fluegen Sydney-Perth, Perth-Broome, Broome-Alice Springs und Alice Springs-Cairns sind wir wohlbehalten in unserem ehemaligen Wirkungsfeld angekommen, wo wir uns natuerlich sehr diskret verhalten, aber fast jeden Tag zufaellig eine uns bekannte Person treffen. Es ist schoen, nur freudige Gesichter zu sehen. Wenn man an die vier Jahre von Termin zu Termin geeilt ist, geniesst man diese einzigartige Stadt nun noch viel mehr und entdeckt jeden Tag Neues, sei es ein interessantes historisches Gebaeude, ein Baum oder eine Gedenktafel, an der man wohl hundert Mal achtlos vorbeigegangen ist. Und nach gut zweimonatiger Abstinenz begeisterten uns das Australian Chamber Orchestra mit "unserem" Solisten Emmanuel Pahud, eine urkomische Auffuehrung von Gilbert und Sullivans "Trial by Jury" im Opernhaus und das Kellertheater im Old Fitzroy Pub umso mehr. Unser Timing der Rueckkehr ist perfekt, wir konnten Michael bei der Suche nach einer groesseren Wohnung und beim Zuegeln beraten und unterstuetzen. Er will vorlaeufig in diesem wunderschoenen und interessanten Land bleiben, das wir nun waehrend neun Wochen erneut intensiv bereist und in dem wir dank hervorragenden Experten so viel ueber seine Geschichte, seine Traditionen sowie seine Flora und Fauna erfahren haben. Was zum Beispiel frueher ein haesslicher Termitenhuegel war, ist fuer uns nun zu einem faszinierenden Wunder der Schoepfung geworden.


Die naechsten Reiseplaene

Da wir nach den heissen Tagen im Nordwesten die Temperatur hier sehr kuehl finden, fliegen wir am 17. Juli zu Dritt nach Schanghai, ein etwas langer Staedteflug, dauert er doch ueber 10 Stunden. Gleich nachher sind Samoa und Neuseeland an der Reihe, gefolgt von der Seidenstrasse. Vielleicht haengen wir noch Bhutan an. Im Oktober wird es im Sueden von Australien wieder waermer.

In der Schweiz sind wir auf dem Wohnungsmarkt in Rapperswil gut im Rennen und wer weiss, vielleicht brauchen wir dann gar kein Auto mehr, sieben Minuten zu Fuss vom Bahnhof und natuerlich ein GA. Drueckt uns die Daumen.

Email: weiterhin renatem@swissinfo.org
Post: c/o Michael Mehr, 8/11 Loftus Street, Ashfield NSW 2131 Tel:61 2 9798 2519