Myanmar (Burma)


19. Januar bis 1. Februar 2007


(Die in diesem Bericht erwähnten Fotos sind in der Fotogalerie aufgeschaltet.)

Gesamteindruck

Um es gleich vorweg zu nehmen: Diese Reise war Spitze, in verschiedener Hinsicht. Mit Ma Shin Hnin Aye hatten wir wohl eine der besten Reiseführerinnen des Landes. Yangon hat kein Goethe-Institut, Shin hat sich trotzdem dank Kursen bei der Deutschen Botschaft erstaunliche Sprachkenntnisse angeeignet. Täglich verblüffte sie uns mit ihrem Wortschatz und erwies sich auch als geschichtlich hervorragend beschlagene Expertin.

Neben vielen träfen Sprüchen wie „der neue, von der Stadt weit entfernte Flughafen von Mandalay ist ein Schildbürgerstreich“ und der amüsanten Kurzform von Schillers Glocke durfte auch das weltbekannte Chuchichäschtli nicht fehlen. Wir fragten uns aber, von wem sie „Säuhäfeli - Säudeckeli“ gelernt hat, vielleicht von einem Nationalrat…. Wir haben viel gelacht auf unserer Reise, vor allem als Shin erzählte, sie hätte kürzlich einen Fauxpas begangen. Sie hatte einmal den Ausdruck „diese Frau hat eine scharfe Zunge“ gehört. Als sie ihn später anwenden wollte, kam er etwas falsch heraus: „Das ist eine scharfe Frau“….

Myanmar wird vor allem von Deutschen, Franzosen und Italienern bereist. Schweizer trifft man eher selten. Auch wir haben uns seinerzeit geschworen, aus den bekannten Gründen dieses Land nie zu bereisen. Wie schon 1993 war unser Eindruck aber sehr positiv, eine sympathische, hart arbeitende Bevölkerung (vor allem die Frauen), welche es verdient, besucht und moralisch und finanziell unterstützt zu werden.

Route und Mitreisende

Zürich - Doha - Yangon mit Qatar Airways
Yangon - Bagan - Mandalay -Mingun-Inwa - Kalaw - Inle See - Yangon


Die Verspätung zwischen Doha und Yangon nahmen die meisten Reisenden gut gelaunt in Kauf. Nach den schweren Stürmen in Europa war sie logisch, hielt sich aber in Grenzen. Zum Glück gibt es heute gut funktionierende Inlandflüge. Wir benützten dreimal Air Mandalay, ohne jegliche Verspätung.

Dabei haben wir rasch gelernt, dass Mandalay wie „Mändeli“ ausgesprochen wird, also wie ein kleines Männchen in Bern. Unseren sich in letzter Minute angemeldeten einzigen Reisepartnern, dem Ehepaar Stettler aus Wabern, fiel die Aussprache somit leicht. Mit dem Arrangement bei Bischofberger Info-Reisen, das sich von einer Gruppentour auf eine Einzelreise und schlussendlich auf ein Quartett entwickelte, hatten wir Glück. Denn wir hatten eigentlich die Katze im Sack gekauft wie Tessie und Pesche auch.

Die Kombination klappte aber hervorragend. Auch sie waren viel gereist, unkompliziert und führten für allfällige Wartezeiten Jasskarten im Koffer wie wir. Wir wissen jetzt, dass man einen „blutten“ König nie vorspielt. Statt Schokolade hatten sie für KInder originelle Geschenke bei sich, alte Tennisbälle, die viel Freude machten (45). Als pensionierter Schriftsetzer stieg Peter am Inle Lake gleich in die Papierfabrikation ein (187).

Pagoden

sind nach wie vor ein Hauptgrund für einen Besuch in Myanmar. Das Bild 135 trügt. Nur einmal bin ich kurz eingenickt, mussten wir doch in Mandalay über eine Stunde auf den Sonnenuntergang warten. Schwedagon, Schwezigon, Kabar Aye, Sule und wie sie alle heissen: Tiefer Glaube, eine Stimmung, die berührt, gleichzeitig aber auch ein Businessdenken, das auch den Touristen in den Geldbeutel greifen lässt: 52, 12, 10, 13, 11, 15. Der liegende Buddha von Chauk Htat Gyi ist 70 Meter lang. Klassische Silhouetten (25), Geld zählende Mönche (31) und viele Freiwillige (34), welche die Plätze in einer Linie förben (Appenzellerdeutsch für wischen). Alles wird bei einer Pagode gefeiert, der Studienabschluss (28), religiöse Zeremonien für die Kinder (122) und die Bitte und Erfüllung von Wünschen.

Neben den auf den Buddha platzierten Goldplättchen (Zutritt für men only) wurden Peter und mir (118) gleich noch eine zusätzliche Gabe vorgeschlagen, was unsere Shin zu einer Strafpredigt für die Tempelhüter veranlasste, diese Frau hat Charakter und Mut. Auf die Spende einer Buddha-Figur in der Tropfsteinhöhle von Pindaya verzichteten wir, obwohl es neben den anderen tausend Exemplaren noch Platz hätte (186).

Mönche

Wer über Pagoden schreibt, kommt zum andern Hauptthema: Mönche. Was in der Schweiz die RS ist oder einmal war, ist hier das Kloster, wo ganz junge Menschen erzogen und abgehärtet werden. Wer am frühen Morgen über hundert spärlich bekleidete junge Männer in Einerkolonne sieht, die das (kalte) Mittagessen abholen (258), ist beeindruckt. Im Vergleich dazu war unsere Zugschule ein Kinderspiel. Sie tauchen überall auf, diese schlanken Gestalten, die Buben und Männer in Rotbraun (55), die Frauen und Mädchen in Rosa.

Yangon (bis 1989 Rangoon)

Eine äusserst saubere Stadt mit kolonialistischer Vergangenheit, Town Hall im britischen Stil (2). Touristenattraktionen wie ein schwimmendes Restaurant mit Folklore (6), (281), ein Riesenposter zur Wahl des Mr. and Ms Myanmar (3), ein Rock Konzert im Hotel (48), erstaunlich viele Fernsehantennen (20), mit denen die spärliche Information in den Zeitungen vervollständigt werden kann. Ein zwiespältiges Bild, das aber dank den sehr netten aber sich nie anbiedernden Menschen sehr sympathisch wirkt. Zwiespältig auch das Verhältnis der Behörden zu George Orwell: „1984“ und „Animal Farm“ sind verboten, Von „Burmese Days“ hingegen, wo Orwell die teilweise schlimme Kolonialzeit beschreibt, werden den Touristen überall Raubkopien zu Fr. 2.50 angeboten. Wer noch weniger zahlen will, hat auch eine Chance.

Bagan (ehemals Pagan)

hat sich negativ entwickelt. Die Pagodenstadt mit ihren Tausenden von Händlern und Bettlern gleicht immer mehr Luxor. Schade, die Abende und Sonnenaufgänge hier bleiben unvergesslich (64), (75), (88), (90).

Die Beinruderer von Inle Lake

Bekannt gemacht haben diesen grossen Binnensee die Fischer, welche einen speziellen Ruderstil pflegen, der ihnen erlaubt, bei der täglichen Arbeit möglichst effizient vorzugehen (201), (127). Vielleicht sollte Swiss TV für die Pfahlbauersendung statt in den Thurgau an diesen See reisen, wo auch unser Hotel auf Pfählen stand (250).

Bangladesch lässt grüssen

Je nördlicher wir fuhren, umso bekannter kam uns die Gegend vor. Erinnerung an unsere fünf Jahre im nordwestlichen Nachbarland mit seinen grünen Reisfeldern, (156) den stark riechenden Jackfruit (291) und den primitiven Transportmitteln wurden wach (147), (165).

Hart arbeitende Frauen sind auch für Myanmar das Kennzeichen, sie weben mit viel Geschick Seide, spinnen Fäden aus Lotuspflanzen und drehen Zigarren. Die Damen auf Bild (56) rauchen allerdings Eigenprodukte. Als sie noch jung und frisch waren, haben sie zweifellos wie alle ihr Gesicht täglich mit einer Paste eingerieben, die vor Sonne schützt und die Haut geschmeidig hält (172). Die Männer, welche früher vor allem Opium konsumierten, sind heute in der Landwirtschaft (171), Glas- (287), Goldplättchen- und Stahlproduktion beschäftigt.

Eine Bergtour

Bischofbergers Info-Reisen sind wirklich informativ. Die vierstündige Wanderung oberhalb dem ehemaligen britischen Höhenkurort Kalaw, wo wir einen herrlichen Sonnenuntergang beobachten konnten, (188) führte uns auf einer eigentlichen Panoramastrecke zu einem Mönch, der auf einem Gipfel haust (192). Er strahlt Ruhe, Zufriedenheit und Glück aus und liess es sich nicht nehmen, uns mit Tee und Gebäck zu bewirten. Da wir einen auch für Schweizer Verhältnisse steilen Abschnitt vor uns hatten, wies er seinen Gehilfen an, uns je einen Wanderstab zu schnitzen. Eine gute Idee. So erreichten wir die Dörfer im Tal ohne Sturz. Im Gegensatz zu Bagan ist diese Gegend noch nicht touristisch verdorben, die Kinder sind noch scheu und trauen sich nur zaghaft in die Nähe des Fremden (196).

Ein "schwarzer" Tag

Plötzlich wieder barfuss zu gehen hat seine Tücken, doch die zahlreichen aus dem alten Holzboden hervorstehenden Nägel in einer alten Klosterschule konnten uns nichts antun. Glücklich über diesen Umstand wollte ich mich in meiner Euphorie bei unserem Gaul bedanken, der aber meine Liebkosung gar nicht zu schätzen schien. Er schnappte nach mir und sein Gebiss hinterliess auf meinen Bauch einige schmerzhafte Spuren.

Die Nacht fällt rasch in diesem Land und schon wenige Meter vom Sedona Hotel in Mandalay entfernt herrschte völlige Dunkelheit. So verwechselte ich ein Trottoir mit einem Abwasserkanal. Bis weit über die Knie hinauf war meine Hose verfärbt von tiefschwarzem Abfallöl. Ich sah aus wie Yves Montand im Film „Le Salaire de la Peur“. Heute würden solche Rollen wohl von einem Stuntman gespielt. Den Wänden entlang und allerhand Spuren hinterlassend, schlich ich mich in unserem Vierstern-Hotel zum Lift und drückte sehr unhöflich sofort auf den Knopf, äusserst unfair gegenüber einigen schon länger wartenden Deutschen. Die geschockte Renate traute ihren Augen nicht. Für über eine Stunde war das Badezimmer dann für den „Inneren Dienst“ reserviert.

Gegensätze: Strand Hotel und Volksfähre

Ein Besuch in der renovierten weltbekannten Nobelherberge Strand gehört zu jedem Burma-Besuch, wenn das Budget auch nur einen „Strand Sour“ zulässt. Der typische Drink enthält aber so viel Eis, dass sich das Glas sehr feucht anfühlt. So entglitt mir es mir. Das köstliche eiskalte Nass ergoss sich Richtung Renate und dort auf und unter ihre Gürtellinie. Zum Glück hat sie keine Reizblase. Das nette Personal trocknete meine Gattin in Windeseile und setzte den zweiten Drink nicht auf die ohnehin gesalzene Rechnung, lag aber mit der Aussicht auf ein anständiges Trinkgeld goldrichtig.

Shin führte uns nachher, was sie allerdings nur selten wagt, zur Rush Hour (270) auf die Volksfähre, auf der wir wirklich die einzigen Touristen waren, welche mit einem Dollar pro Person 115 mal mehr bezahlten als die Einheimischen, recht so. Bei dieser Preislage war auch der China-Balsam, den wir von einem äusserst eloquenten Verkäufer erstanden (274), mit 12 Rappen ein sehr guter Deal.

Myanmar, ein Land mit einer faszinierenden Geschichte, einer sehr sympathischen Bevölkerung und einer ungewissen Zukunft (292). Chay-zoo tin-baa day, vielen Dank für zwei sehr schöne Wochen.

Zum Schluss noch ein kleiner Quiz

1. Welches Getränk wurde auf dem Flug der Qatar Airways nicht serviert? 2. Welches Menü fehlte im Flugzeug von Zürich nach Doha?
A
B
C
D
Armgagnac
Champagner
Bloody Mary
Gin Tonic
U
V
W
X
Couscous
Pizokel
Chicken
Beef

3. Wie hoch ist der höchste Berg von Myanmar? 4. Wie ist der Verkehr organisiert?
O
P
Q
R
173 m
1'253 m
457 m
5'881 m
K
L
M
N
Rechtsverkehr - Steuerrad links
Linksverkehr - Steuerrrad rechts
Rechtsverkehr - Steuerrad rechts
Linksverkehr - Steuerrad links

5. Was war im Frühstücksbüffet in der Pagodenstadt Bagan nicht enthalten?
A
B
C
D
Mortadella
Appenzeller Käse
Pantli
Brie
Lösungswort:

................................

Zusatzfrage:
Was betätigt der Mann auf Bild 222?
Lösungswort:

................................


Renate und Albert Mehr