Madagaskar: Von Adrianampoinimerina bis Zebu


8. bis 22. Juni 2007


(Die in diesem Bericht erwähnten Fotos sind in der Fotogalerie aufgeschaltet.)

“Wir lagen vor Madagaskar und hatten die Pest an Bord….”. Dieses alte Soldatenlied klingt in meinen Ohren, wenn ich zehn Tage nach unserer Rückkehr zum zehnten Mal am Tag auf dem WC sitze. Eine ziemlich beschwerliche, abenteuerliche aber sich lohnende Reise liegt hinter uns.

Ein Land voller Zeugen einer bewegten Geschichte, heute aber ein Staat, der eines der weltweit tiefsten Volkseinkommen aufweist, geprägt von kürzlichen schweren Naturkatastrophen, Überbevölkerung (01), (02) und jahrelangen innenpolitischen Spannungen, ein eigentlicher Kulturschock. Aber überall grüssten uns freundliche Gesichter, sei es im Top-Hotel Relais von Masoala (03), am Weg (04) oder Gilbert mit seinem „“Pousse-Pousse numero trois“ (05). Eine hart arbeitende Bevölkerung, die vor allem von Reis (06) (Bangladesch lässt grüssen), Gemüse (07) und Zebu-Fleisch lebt (08). Die Arbeitsmethoden stammen meist aus dem vorletzten Jahrhundert (09), trotz modernen Affichen. Begabte Künstler schaffen Erstaunliches (10).

Beim Namen des im Titel erwähnten, gegen Ende des 18. Jahrhunderts an die Macht gekommenen Chiefs handelt es sich übrigens um eine Abkürzung, sein voller Name soll „Andrianampoinimerinandriantsimitoniaminandriampajaka“ gelautet haben. Da sind die Innerrhoder mit ihrem „Sebelishannesmariekathrineszischgeli“ von geradezu erfrischender Kürze. Der heutige Staatschef Marc Ravalomanana hat seine Wahl seinem Tiko Joghurt zu verdanken, ein Produkt, das dank der Sachkenntnis eines Ostschweizers entstand.

Madagaskar ist Natur pur, Flora und Fauna sind bemerkenswert. Riesige Falter (11), das mysteriöse Chamäleon (12), die berühmten Lemuren (13), (14), (26), der geräuschvolle Gecko (15), farbige Raupen (16), unheimliche Skorpione (17), die Gottesanbeterin (18), der Weihnachtsstern (19), dessen Farben die Nationalflagge prägen und riesige Pflanzen (20) sind typisch für das Land wie auch die Baobabs (21), (22).

Überall stösst der Reisende auf den Totenkult, den auch die christlichen Religionen nicht verdrängen konnten, Felsengräber, wo längst Verstorbene in tagelangen Festlichkeiten wieder umgebettet werden (23), (24). Solche Ahnengebirge haben sogar Ähnlichkeit mit Schildkröten (25). Geschichten vom Good King Radama, 1862 mit einem Seidenband erdrosselt (man wollte kein königliches Blut vergiessen…) und der Bad Queen Ranavalona, die 1897 nach Algier verbannt wurde, sind überall präsent. Ex-Präsident Ratsiraka hat es besser, nach den politischen Wirren von 2002 wurde er zu zehn Jahren Gefängnis in absentia verurteilt und geniesst seither sein Exil in Frankreich.

Viele Einwohner sprechen ein gutes Französisch. Madagaskar erlangte seine Unabhängigkeit dank General De Gaulle im Jahre 1960. Interessant ist, dass die Briten im 2. Weltkrieg den nördlichsten Hafen Diego Suarez (heute Antsirana) besetzten, um zu verhindern, dass dieser Stützpunkt in die Hände der Japaner fiel, war doch Madagaskar damals unter der Herrschaft der nazifreundlichen Vichy-Regierung.

Höhepunkt der Reise war trotz Sturm und Regen der Besuch bei Sandra Schönbächler und ihrem Gatten Pierre Bester in der Masoala Forest Lodge (die Schweizer Familie und der Zürcher Zoo lassen grüssen…) Die originelle Unterkunft ist nur per Boot erreichbar (27) und unser Steuermann Pierre hatte ein Einsehen. Bevor wir Matthäus 14.25-33 zitierten: „Rette uns Herr, wir gehen zugrunde“, kehrte er um. Am nächsten Morgen bestieg ich trotz Bedenken und nur auf das Zureden von Renate hin das Boot erneut. Diesmal klappte es, und da wir schon komplett durchnässt in der Lodge angekommen waren, konnte uns auch eine dreistündige Wanderung im seinem Namen alle Ehre machenden Regenwald nicht mehr viel anhaben (28). Die trockenen Ersatzkleider wurden sehr knapp. Aber Sandras selbst produzierter Vanille-Rum wirkte Wunder.

Trotz bester Reiseleitung, Jocelyne war eine wahre Perle, ist eine Reise rund um Madagaskar schwer genau zu planen. Immer wieder fällt ein Flugzeug aus oder es muss während Stunden repariert werden (29). Dass wir in Zürich nach langem Flug und dreimaligem Umsteigen in Antananarivo, La Reunion und Mauritius sogar etwas früher als geplant landeten, war ein kleines Wunder. Dauerregen im Norden, stundenlanges Warten, Hitze im Süden, Schweiss und Müdigkeit, zeitweise Wassermangel, auch unter der Dusche und im WC, Dauermenü Zebu mit grünem Pfeffer… Negatives ist aber rasch vergessen. Unsere sehr homogene Gruppe von 18 Reisenden war immer positiv eingestellt und so bleibt die Erinnerung an ein friedliches, sehenswertes und gastfreundliches Land zwischen Afrika und Asien, das eine bessere Zukunft verdient (30).


Renate und Albert Mehr