Syrien - Jordanien


7. - 18. März 2009


(Die in diesem Bericht erwähnten Fotos sind in der Fotogalerie aufgeschaltet.)


„Contrary to what the US Department may wish the world to think, Syria is not populated by terrorists, zealots and other bogeymen. In fact Syrians are the most friendly and hospitable people in the world and most visitors to their country end up developing infatuation with its gentle charms.“

Lonely Planet


Vermutlich erinnern sich die Leser dieser Zeilen an die Einleitung unseres Berichts über die Iran-Reise von 2005. Je schlechter der Ruf des Landes, umso sympathischer sind dessen Bürger, dies trifft auch für Syrien zu.


Usahma Darrah, ein Journalist mit deutschen Wurzeln, schrieb vor einiger Zeit in der NZZ:

„Viele Syrer innerhalb und ausserhalb des Landes drängen nach einer besseren und liberaleren Zukunft für ihr Land. Man kann nur hoffen, dass sich der Wunsch, an den produktiven Aspekten des Lebens teilzuhaben, durchsetzen wird. Ich kann mich des Gefühls nicht erwehren, dass dies irgendwie gelingen wird.


Nach den interessanten Diskussionen mit unserem Reiseführer teilen wir diese Ansicht. Der junge Präsident Dr. Bashir al-Assad, von Beruf Augenarzt (149), erhält im Gegensatz zu seinem Vater auch von kritischen Bürgern gute Kritiken. Die Kosten für die Armee, die früher bis zu 70% des Staatshaushalts betrugen, wurden stark gesenkt, wie auch die Dienstzeit der Soldaten, die einmal 2 1/2 Jahre betrug. Wir waren erstaunt, wie wenig Militär und Polizei zu sehen war. Auch verdächtige Spitzel konnten wir nicht entdecken.


Unser Programm mit Bischofberger Info-Reisen (5 Personen):

Flug Zürich-Wien-Damaskus - Maloula – Aleppo – Hama – Palmyra – Bosra - Amman – Petra - Wadi Rum – Aqaba – Damaskus - Flug Damaskus-Wien-Zürich

Wenn ein Flugzeug enteist werden muss, ist eine Verspätung unumgänglich. Zudem war auf dem Flughafen Wien wegen starkem Wind nur eine Piste anfliegbar. Einen kleinen Zwischenfall gab es dank einem im Wanderrucksack vergessenen Militärmesser. Im Gegensatz zur toleranten Zürcher Kontrolle blieb das gefährliche Objekt bei den strengen Österreichern hängen. Der Anschluss klappte trotzdem problemlos, und so landete unser Austrian Airbus zur vorgesehen Zeit in Damaskus. Aus Qatar kamen gleichzeitig viele Weissgewandete an, jeder mit einem Falken auf der Faust.

Der Reisende wurde gleich zweimal überrascht. Unsere Herberge entpuppte sich als „Boutique Hotel“ in der christlichen Altstadt, umgeben von einer Kirche, einem „Bible Shop“, einem der vielen Coiffeursalons und kleinen „Onkel-Ahmed-Läden“ (001) (167). Das romantische alte Haus wurde für über eine Million Franken renoviert. Noch selten sind wir so gastfreundlich empfangen und betreut worden. Das erste Dinner fand im Restaurant „Sissi“ statt, die Prinzessin soll Damaskus mit ihrem Gatten besucht haben und wird hier verehrt.

Eine Überraschung auch an andern Morgen. Nicht eine Stadtbesichtigung mit vielen dominanten Moscheen stand auf dem Programm, sondern eine Fahrt zum griechisch-orthodoxen Frauenkloster der heiligen Thekla und der Kirche von St. Sergius in Maloula auf 1'600 m Höhe (006) (015). Sogar Atheisten und Muslime sind von den vielen Zeugnissen der wunderbaren Heilungen beeindruckt. Faszinierend war, Aramäisch, die Sprache der Bibel zu hören. Allein in Damaskus soll es über 250 christliche Kirchen geben. Muezzin und Kirchenglocken tönen friedlich vereint. Die allerdings nur noch spärlich vorhandenen Juden können ihre Synagoge besuchen. Und bei uns wollen Schlüer, Brunner und Hutter die Minarette verbieten. Man sollte das Trio vielleicht einfliegen. Es besteht ein wenig Hoffnung, denn schliesslich ist hier ein Saulus zum Paulus geworden. Er musste allerdings später in einem Korb vor seinen Verfolgern über die Stadtmauer abgeseilt werden (139) (140).

Weniger positiv ist das christliche Erbe der Kreuzritterburg „Crac des Chevaliers“ auf dem Weg nach Norden, die von erbitterten Kämpfen zeugt (016) (018) (019). Auch im historischen Handelszentrum Aleppo (038), wo wir nach einem Sandsturm wieder in der Altstadt landeten, diesmal bei Armeniern (066), scheinen zuerst die christlichen Kirchen zu überwiegen (062). Ein Vorläufer der SBB-Uhr aus Sumiswald zeigt auf dem Maroniten-Kirchturm die Zeit an (067). Das Wahrzeichen von Aleppo sind allerdings die grosse Moschee (044) (040) (043) (049) (050), die Zitadelle (059) (036) und der grösste Souk des Orients (054) (061). Er besteht aus 12 km überdachten Ladenstrassen, wo naive Touristen wie überall mit Tricks in die Läden gelockt werden. Renate erhielt dort spontan das Kompliment, einen ägyptischen Akzent zu haben. Auch die Bäcker und Bäckerinnen zeigten sich von ihren Aufnahmen begeistert (071) (072) (083).

Am andern Morgen ging es zum Säulenheiligen Simeon, wo uns der Führer nach einer kleinen Kletterei sogar gut erhaltene Ruinen der ersten Pilgerhotels der Antike zeigen konnte (025) (029) (031).

Schon von Apamea gehört? Wir auch nicht. Umso mehr verblüfften uns die Säulen der langen Ladenstrasse aus der Zeit der Römer (077). Die nächste Stadt, Hama, ist bekannt für ihre historischen Wasserräder. Wer gut beobachtet, findet noch Spuren des religiös motivierten Aufstandes von 1982, bei dem Tausende in ihrem Versteck, teils sogar in den Wasserrädern (089) (086) von den Regierungstruppen erschossen wurden.

Die vierstündige Wanderung durch Palmyra, dem ehemaligen Handelszentrum, der „Königin der Wüste“, am westlichen Ende der Seidenstrasse spielte sich in einer entspannten Atmosphäre ab (100) (113) (117). Das unter Trümmern versteckte Pferd (111) wurde vom Schweizer Archäologen Reto Jagher entdeckt, Fotografin Renate musste sich tief bücken und darunter kriechen. Für wen die freundlichen Polizisten ihre Handschellen brauchen, war uns ein Rätsel (120). Auch die Tiere geniessen die Sonne und die Ruhe (123).

Rückkehr am folgenden Morgen in unser romantisches „Nest“ in Damaskus (137), wo uns ein netter Angestellter mit Zeitungen in arabischer, französischer (libanesischer) und englischer Sprache für unseren Federfuchser Michael in Sydney versorgte. Es soll hier 2500 TV-Kanäle geben (311), darunter auch ein „Hannibal Channel“, vermutlich aus Libyen…. Wir empfingen deren 250, zum Glück aber oft auch DW und BBC. Obwohl von vielen Sendern dauernd arabischer Fussball gezeigt wurde, war Edelreservist Yakin nie zu sehen.

Auf dem Rückweg zur Hauptstadt machten wir Halt im „Bagdad Café 66“ (136), (Hollywood lässt grüssen…), wo Renate durch eine Plastik-Spinne im Netz erschreckt wurde, zur grossen Freude des Wirts (135), der dann gleich noch eine zweite von der Decke fallen liess.

Wir hatten Glück, neben dem intelligenten Führer auch einen sehr guten Chauffeur zu haben, der uns heil zum UNESCO-Kulturerbe Bosra brachte. Die heutigen Häuser in den Ruinen sind praktisch evakuiert, die Ausgrabungen werden aber Jahre dauern. Das bereits wieder aufgebaute römische Theater (173) verschlug uns fast die Sprache, auch die eines Laienschauspielers!

Ein Grenzübertritt nach Jordanien mit mindestens drei Kontrollposten auf beiden Seiten braucht Zeit und Geld (Ausreisegebühr), doch wir kamen in ungefähr einer Stunde durch, nicht schlecht im Vergleich zu Algerien-Marokko und Bangladesch-Indien. Bei unserer Rückkehr vier Tage später glaubten wir uns an einem Orientierungslauf. Alle Taxichauffeure rennen jeweils nach der Kontrolle und dem komplizierten Abstempeln ihrer umfangreichen Papiere am Posten 2 zu ihren Autos, um sich möglichst einen guten Platz in der langen Schlange zu ergattern.

Die Ankunft in Amman liess unsern Adrenalinspiegel steigen. Nach der Verabschiedung unserer syrischen Begleiter keine Begrüssung durch den zuständigen jordanischen Kollegen im Hotel, wo auch keine Reservation gefunden wurde. Der am Freitag Pikett leistende Agenturangestellte verstand nur Bahnhof. Schliesslich fanden wir das richtige zuständige Reisebüro heraus, fielen aber dem von mir telefonisch auf 19.00 Uhr bestellten Chef nicht um den Hals.

Wir änderten das überlastete Programm für den folgenden Tag, strichen die Stadtrundfahrt und fuhren nach Madaba, wo wir in der griechisch-orthodoxen St. Georgskirche (184) die älteste Mosaik-Landkarte (181) des heiligen Landes besichtigten. Am Berg Nebo litten wir im Geiste mit Moses (186), der das „Land, wo Milch und Honig fliesst“, zur Strafe fürs zweimal an den Felsen schlagen nicht betreten, aber immerhin einen Blick darauf werfen durfte (191). Später bewunderten wir vom Hotelbalkon aus das Grab seines Bruders Aaron auf einem hohen Berg hinter Petra (257).

Das Tote Meer hat seine Tücken. Wer nicht auf dem Rücken schwimmt, gerät leicht in Panik, nachdem man sich in das sehr salzhaltige Wasser begibt, der „Hundeschwumm“ ist nutzlos. Belustigte Zuschauer überall, denn man wird vorher total mit schwarzen Algen bestrichen (198). Der Schock sass bei mir tief, ich hatte sogar keine grosse Lust, nachher in der Nähe von Sodom und Gomorra (201) die „Statue von Frau Lot“ zu bewundern (200).

Es folgte der Besuch der Kreuzritterburg Karak aus dem 12. Jahrhundert (202), wo Renaud de Chatillon seine Feinde jeweils die Felsen hinunterwerfen liess. Eigentlich ein Ort nur für Schwindelfreie….

Das Panorama-Terrassen-Hotel in Petra mit herrlicher Aussicht (207) erreichten wir kurz nach Sonnenuntergang, taten uns etwas schwer mit den Liften (mit Umsteigen) auf 12 Etagen, versuchten die Weisungen im WC zu verstehen und zu befolgen (256), genossen aber das feine Buffet und den wenn auch etwas teuren libanesischen Wein, ein frommes Cuvée du Couvent. Das Wunder von Kanaa ist immer noch aktuell, wird doch in Autobahn-Souvenir-Shops „Wine from the Holy Land“ (013) und Wasser aus dem Jordan „bestens geeignet für Taufen“ verkauft.

Ein Besuch der Taufstätte Jesu war uns mit 24 Franken doch etwas zu teuer. Wir hatten vorher aber in Damaskus das Grabmal von Johannes dem Täufer (eigentlich nur seines Kopfes…) in der grossen Moschee (144) (165) (161) (166) besucht. Beeindruckend, wie er wie auch Jesus von den Muslimen als Prophet verehrt wird und dass er alle die ihm im Stillen vorgebrachten Wünsche erfüllen soll. On verra.

Viele Besucher machen den Fehler, zu wenig Zeit für Petra zu reservieren. Den meisten genügen einige Aufnahmen des weltbekannten Tempels (221), der nach 40 Minuten Wanderung durch die enge Schlucht (216) (219) (268) auftaucht. Wir liessen uns Zeit, zogen stundenlang durch die Gräberstadt (230) (231) (233) (238) (242) und wurden von einer geradezu charmanten Beduinin trotz hartem Feilschen noch mit Zusatzandenken beschenkt. In den Resten der byzantinischen Basilika (246) wurde sogar eine Sonntagsmesse auf Französisch mit Touristen gefeiert.

Wadi Rum ist ein Muss für jeden Jordanien-Reisenden. Hier hat Lawrence von Arabia seine Spuren hinterlassen (275). Wir waren früh dort, „bevor die Touristen kamen“. Viel Freude machte uns ein kleines Kamel (263) (265), kaum eine Woche alt. Verglichen mit Pferdeäpfeln sind übrigens die Kamelbölleli erstaunlich klein (222) (125). Wir erreichten das Rote Meer bei Aqaba relativ beizeiten. Ein eigenartiges Gefühl, an der Grenze zum einflussreichen Saudi-Arabien (282) zu stehen und gleichzeitig nach Israel und Ägypten hinüber zu blicken (278).

Die griechisch-römischen Spuren in Jerash, gut erhaltene Ruinen (286) (295) im Blumenschmuck und tiefgrünen Wiesen (291), entzückten auch uns. Wenn der Chauffeur auf der Rückfahrt nach Damaskus auf die immer noch von Israel besetzten Golanhöhen zeigt, realisiert man, dass sie nach wie vor ein schwerwiegendes Problem darstellen.

Unserem lustigen jordanischen Führer, hier in Begleitung einer züchtig verhüllten Schweizerin (271), mit dem ich mehrfach ein Glas Wein wettete und oft verlor, kaufte ich im toleranteren Syrien eine feine Flasche. Sein von Augenrollen begleitetes charmantes „Meinst du?“ oder „glaubst du?“ wird uns in bester Erinnerung bleiben, wie auch die begeistert singenden Schülerinnen (287) in den historischen Stätten. Ein sympathisches Volk.

Nach den Problemen bei der ersten Ankunft in Amman wurden wir bei unserer Rückkehr dank einem Upgrading ins benachbarte „Regency Grand Hotel“ milder gestimmt. Seine fünf Sterne funkelten allerdings weniger als die richtigen in der Wüste. Im Speisesaal herrschte ein Chaos sondergleichen. Hektische Kellner rannten mit Bestellscheinen in vierfacher Ausfertigung kreuz und quer umher, nervös geworden auch durch die Präsenz des FC Al Arabia aus Kuwait, der in Amman ein internationales Turnier bestritt. Ein blutjunger Kellner wurde von einem schwergewichtigen Vorgesetzten sogar geohrfeigt. Der vermutlich ehemalige Ringer oder Gewichtheber verabschiedete sich nachher aber von mir wohl in Anbetracht der hohen Getränkerechnung mit einem freundlichen Handschlag. Interessant übrigens, dass der Anteil von Frauen in europäischen Touristengruppen sowohl in Syrien wie in Jordanien oft 90 Prozent übersteigt. Dies verursacht wohl auch mehr Stopps bei Toiletten, von unserem Führer jeweils „Gesundheitspause“ genannt.

Zum Schluss gab es noch ein letztes typisches Geplänkel mit dem zweiten Reiseführer am Flughafen Damaskus. Das Schlitzohr wollte uns einen übersetzten Dollarkurs für die Ausreisegebühr verrechnen. Auf meinen energischen Protest hin entschuldigte er sich mit einem schelmischen Lächeln, verbunden mit einem freundlichen Händedruck: „Maalesh“ und „Ma’salama“!


Renate und Albert Mehr