LUANG PRABANG - ASHFIELD - KALGOORLIE - SUBIACO

28. April bis 23. Mai 2010


(Die in diesem Bericht erwähnten Fotos sind in der Fotogalerie aufgeschaltet.)


Wieder liegt eine erlebnisreiche Reise hinter uns, die durch verschiedene Umstände noch aufregender wurde. Zu den folgenden Namen drängt sich eine Erklärung auf:

Luang Prabang am Mekong ist ein Muss in Laos, gemäss UNESCO „the best preserved traditional city in South East Asia“.

Ashfield, ist eine Vorstadt im Westen von Sydney, wird auch „Little Shanghai“ genannt. Dort wohnt unser Sohn Michael seit fünf Jahren und fühlt sich unter den Chinesen, Bangladeschis, Libanesen und Samoanern sehr wohl.

Kalgoorlie (507) ist eine romantische Goldgräber-Stadt im australischen Outback mit einer sehr bewegten Geschichte. Noch heute wird nach dem begehrten Edelmetall gesucht. Man profitiert vom hohen Goldpreis und prophezeit einen weiteren Anstieg auf Ende Jahr. Wir haben die Eigenheiten dieser ehemals anrüchigen Stadt gut studiert. Wir besuchten die grosse Mine (525) und das Museum, von einer Visite der renovierten andern Sehenswürdigkeit (Freudenhaus-35 AUD p.P.!) sahen wir aber ab.

Subiaco, das Mekka der AFL (Australian Football League) liegt südlich von Perth (474, 500), der Hauptstadt von West Australia auf dem Weg nach Fremantle (491), wo viele Einwanderer, vor allem Italiener seinerzeit gelandet sind. Auch einige Schweizer sind auf den Gedenktafeln verzeichnet. Vom Spitzenkampf im Stadion wird später noch die Rede sein.

Laos hatten wir immer auf unserer Wunschliste, haben wir doch sonst fast alle Länder in Asien bereist. Das Timing war nicht ganz ideal. Für den landschaftlichen Süden war es etwas zu spät. Im Norden kamen wir kurz vor dem Monsun an, doch die Berge waren meist im Dunst, und es war sehr heiss. Das Programm des uns von einem Schweizer empfohlenen lokalen Reisebüros Green Discovery war sehr gut.

Die Hauptstadt Vientiane besuchten wir am Morgen nach unserer Ankunft (201, 198, 197). Lao Air hat neue Flugzeuge, der Flug ist angenehm und der Service sehr gut. Die RDP Laos ist offiziell immer noch ein kommunistisches Land, Hammer und Sichel-Flaggen (315) sieht man noch oft. Doch die franco-koloniale Vergangenheit und die Mitgliedschaft zur „Francophonie“ ist nicht zu übersehen, die Renovations-Projekte der EU tragen Früchte. Die Restaurants sind spottbillig und gut. Ein sympathischer Franzose, der ein Strassencafé führt, kommt bei Verständigungsproblemen zu jedem Tisch, verschlingt nachher wieder seine Riesenpizza und schaut gleichzeitig einen spannenden Film auf seinem Laptop. Offensichtlich ein Aussteiger.

Nach der Fahrt über die hohen Berge (229, 237, 243) neben dem heute noch gesperrten Gebiet des ehemaligen CIA-Flugfelds im Vietnam-Krieg (die Laoten sprechen immer vom American War) gelangten wir am folgenden Tag nach Vang Vieng, bekannt oder eher berüchtigt für Drogen und Alkohol. Wir haben auch schon besser geschlafen. Unser romantischer Bungalow am Fluss hatte zwar ein Moskitonetz-Bett, aber der Lärm der andern Gäste dauerte bis spät in den Morgen hinein.

Das Zimmer unseres Hotels in Luang Prabang war klein, aber gut ausgerüstet, Besitzer und Personal waren sehr gastfreundlich. Die Restaurants am Ufer des Mekong (459) überraschten uns immer wieder, und wir glauben nicht, dass wir den Durchfall am Ende dort aufgelesen haben. Wir vermuten eher, das Geschirr in einer Wirtschaft unterwegs (206) oder bei einem so genannten Picknick (363) in einem Bergdorf sei nicht gut abgewaschen gewesen. Dadurch ziemlich geschwächt, mussten wir bei brütender Hitze nach der ersten Stunde im Kochkurs (467) auf dem Landsitz des Restaurants Tamarind Forfait geben. Schade um die feine Sauce, die wir alle zubereitet hatten. Zwei Teilnehmer hatten sich bereits beim Einkaufen auf dem Markt diskret abgemeldet. Als wir am Abend zufällig hörten, die Fleischstücke auf dem Grill seien „chewy“ Bison und Eichhörnchen gewesen, waren wir heilfroh, früh kapituliert zu haben.

Luang Prabang ist weltbekannt als Stadt der Klöster (324) und der Mönche (303). Obwohl der totale Staat seine Schäflein wohl gut unter Kontrolle hat, sind praktisch keine Polizisten und Soldaten zu sehen. Dies gilt für das ganze von uns besuchte Gebiet. Die Bevölkerung in Laos arbeitet hart, auch die Frauen sind auf den Bauplätzen (346). Die vielen Kinder sind wie überall neugierig und gleichzeitig sehr scheu (252, 257, 269, 273).

Den tiefsten Eindruck haben uns neben den weltbekannten gut erhaltenen Tempeln die Dörfer der ethnischen Minderheiten gemacht, die wir während eines ganzen Tages besuchen konnten. „Keiner zu klein, Helfer zu sein“ (391); wir haben noch nie so kräftige kleine Kinder gesehen. Vom einheimischen Führer des Tages (359), ca. 150 cm gross, erfuhren wir sehr viel über diese Volksstämme, deren Integration anscheinend gut fortschreitet. Überrascht waren wir, wie gut der Handy Empfang im ganzen Land vernetzt ist. In den Städten ist fast jedes dritte Haus ein Internet-Café.

Mit dem Service von Qantas waren wir sehr zufrieden. In perfekter Zusammenarbeit mit British Airways kamen wir über London wohlbehalten nach Bangkok. Eine über halbstündige Verspätung beim Abflug in Zürich und eine Panne bei der Ankunft in Heathrow (kein Andocken und während einer Viertelstunde keine Aussteige-Treppe, ein nervöses Warten auf den Bus von Terminal 1 zu 3 und ein eigentlicher Spurt zum dortigen Gate) liessen unseren Adrenalin-Spiegel stark ansteigen, vor allem auch wegen unserer Angst, die Koffer würden kaum mit uns in Bangkok ankommen. Die Aschenwolke hatten wir beim Start aber „umschifft“, so klappte schlussendlich alles.

Stichwort Flughafen Bangkok. Wir wussten, dass die Rothemden ihn wohl nie besetzen würden, trotzdem blieb während der langen Wartezeit ein eigenartiges Gefühl. Wer dort etwas kaufen will, kann in US Dollars bezahlen, wird aber sofort informiert: „bäckinteimoni!“ Der sich langweilende Personalbestand im Duty Free dürfte das Vierfache des notwendigen betragen. Man spürt den Nepotismus auf Schritt und Tritt.

In Laos findet man keine Zeitungen und das staatliche Fernsehen ist natürlich streng kontrolliert. Daneben flimmern aber viele Thai-Sender über die Mattscheibe, seichte Unterhaltung à l'américaine. Den Vogel schoss die Übertragung des Empfangs anlässlich des 60. Krönungstags des Königs ab. Während in den Strassen noch Tote lagen, amüsierte sich der Hofstaat in teuren Roben und farbigen, schwer mit Orden behangenen Uniformen bei Sekt und Kaviar. Sogar in St. Petersburg und Wien dürften seinerzeit Feste kaum so üppig gefeiert worden sein. Ich sehe schwarz für dieses Land.

Qantas war dann auch bei Problem 3 sehr hilfreich. Da der Rückflug ab London nach Zürich wegen des Kabinenpersonal-Streiks bei British Airways annulliert wurde, buchten uns die Aussie auf meinen Vorschlag hin auf den Flug QF 5 über Singapur nach Frankfurt um, wo wir trotz mühsamen Kontrollen (Schengen lässt grüssen) Zürich mit Swiss in knapp einer halben Stunde erreichten.

„You still have a lot of friends in Australia“ schrieb uns kürzlich Kim Walker, Dean des Konservatoriums Sydney und selbst eine berühmte Musikerin. Sie war sich mit ihrer Begleiterin nicht zu schade, uns nach Mitternacht per Auto heimzuführen, einen grossen Umweg in Kauf nehmend. „That's Australia“ meinte sie bescheiden.

Wir waren tatsächlich überrascht, wie viele Leute spontan in diesem Sinne auf uns zukamen, Auslandschweizer und Aussies. Der Koffer mit meinen Büchern war schnell leer. Der Zufall wollte es, dass in der gleichen Woche drei Schweizer Veranstaltungen stattfanden. Wir scheinen auch in diesem Land wirklich Spuren hinterlassen zu haben.

Den Westen Australiens bereisten wir mit Michael, der kurz nach unserer Abreise endlich die Niederlassungsbewilligung erhalten hat. Bereits in einem Jahr kann er Australier werden. Pech hatte er im Stadion in Perth, als ausgerechnet er unter 49'000 Zuschauern einen scharf geschossenen Ball, eine Art Melone, auf den Kopf erhielt. Resultat: eine Schramme in der Wange, ein zerbrochenes Brillengestell und als Halbblinder eine rasche Heimkehr ins Hotel, wo wir den Match am Fernsehen anschauen konnten. Wir brauchten in der menschenleeren Umgebung des Stadions ziemlich lange, bis wir den Bahnhof wieder gefunden hatten.

Im November erwarten wir den Besuch unseres „Aussie“-Sohnes, der während langen Jahren nicht aus- respektive nicht zurückreisen konnte. Im November gibt es ja wie immer viele Geburtstage zu feiern.

Wir selbst melden uns am Jahresende mit einem Bericht über eine Patagonien-Reise.

Vielen Dank nochmals allen Sponsoren für unsere Hilfswerke - Endresultat Fr. 6'766.00!


Eure Renate und Albert